Sonnenstrahlen brechen sich Bahn durch die Baumwipfel des dichten Baumbestandes. Niederholz und Wildwuchs ver- decken die Sicht auf die oberirdischen Gebäuden des ehemaligen Hauptgefechtsstandes der Volksmarine der DDR. Es ist der 07.Juli 2011, wir kommen auf Einladung von Claus Funke. Er hat mit seinem Team nur wenige Tage vorher den Bunker begehbar gemacht hat. Einen Bunker mit den Grundmaßen von rd. 58 x 49 m, höchste Schutzklasse (A), zwei Etagen. In Dienst gestellt 1974. Im Kriegsfall Führungsstelle des Stellvertreters des Ministers und Chef der Volksmarine der DDR (STMCVM). Im Jahre 1993 wurde der Bunker verschlossen und versiegelt. Vorbei an den Unterkunfts- und Dienstgebäuden, der Transformatorenstation bahnen wir uns den Weg  über eine enge Betonpiste hinein in den dichten Wald.  Ein gleichmäßiges Motorengeräusch  dringt an unsere Ohren, verheißt Orien-tierung, weist uns das Ziel, den Eingang zum Bunker. Noch vor wenigen Tagen wäre man daran vorbeigefahren, weil zugewachsen, überdeckt von Ge- büsch. Nichts, aber auch gar nichts hat hier an einen Bunkereingang hinge- wiesen. Wir stehen vor dem Eingang, blicken in ein kleines Loch am Ende ei- ner tief unten gelegenen Treppe. Eine Laufkatze für schwere Technik hängt an einem Stahlseil. Schwer vorstellbar, über dieses Loch, fast auf allen Vieren, werden wir den Bunker betreten. Die Laufkatze, beladen mit Geröll, bewegt sich nach oben. Man könnte meinen von selbst. In angemessener Entfernung stöhnt ein Radlader, verrichtet seine Arbeit. Fast unsichtbar kämpft er mit dem Stahl- seil, geführt über eine Umlenkrolle, am Haken die sich aufwärts bewegende Laufkatze. Sie ist gefüllt mit Abbruchmaterial der Betonplombe, die den Bunker seit nunmehr 18 Jahren verschlossen hat. Fast 2,5 m dick, eisenhart, Beton bester Güte, zum Zähne ausbeißen. Einige Kubikmeter davon sind bereits bei- seite geräumt. Claus Funke mit seinem Team hat die Betonplombe „angefressen“, hat sie ge- knackt. Noch aber werden einige Tage vergehen bis man den Eingang aufrecht betreten kann. Eine enorme Arbeitsleistung liegt hinter dem Team. Abseits vom Bunkereingang tuckert ein Dieselgeneratoraggregat, liefert den Strom für Ar- beitsgeräte und den Bunker. Belüftung und Desinfektion im Innern des Bunkers laufen auf Hochtouren. Wir gehören mit zu den ersten Gästen, die den Bunker betreten. Seine Funktion und Hauptaufgabe ist uns umfassend bekannt. Nur ganz wenige wussten um seine Existenz. War auch nicht erforderlich, die Volksmarine erfüllte ihren Kampfauftrag (Diensthabendes System) zur Sicherung der Seegrenzen ohnehin überwiegend von den Täglichen Gefechtsständen (TGS). Und die befanden sich überwie-gend in den Objekten der ständigen Gefechtsbereitschaft. Die Bezeich- nung für das Objekt verwirrend, Relaisstation 18 (RS-18), Hauptgefechtsstand 18 (HGS- 18), Hilfsnachrichtenzentrale 34 (HNZ-34), die wahre Funktion de- ckend, verschleiernt. Wir stehen mitten drin. Der jahrelange Verschluss ist spürbar beim Atmen, sichtbar an Decken und Wänden, die noch nicht bearbeitet sind. Eine allgemeine Aufgeräumtheit in den Gängen und ehemaligen Arbeits- und Diensträumen ist nicht zu übersehen. Wir sind beeindruckt, können es kaum fassen, die Transportbehälter für schriftliche Informationen, auch „Ratten“ genannt, sausen durch die Linien der Rohrpostzentrale. Ehe man sich versieht sind sie im Sog der Kom- pressoren an der Aufgabestelle ver-schwunden, fallen nach wenigen Sekunden an der vorgegebenen Adresse in den Auffangbehälter.  Und das 18 Jahre nach Stillstand. Auch andere technische Einrichtungen sind in einem guten Zu- stand, rufen Bewunderung hervor. Die Notstromanlage mit ihren vier Dieselaggregaten hinterlässt den Eindruck, als wäre sie gestern erst stillgelegt worden. Im Dienstraum des Bauwerks- Dispatchers begrüßt uns ein bunter Strauß Blu- men, „frisch“ und farbecht, Kunstblumen. Im Speisesaal erinnert uns eine Flasche „Famulus“- Goldbrand an alte Zeiten. Alle technischen und allgemeinen Räume des Bunkers können entsprechend ihrer Funktion zugeordnet werden, befin- den sich in einem guten Zustand. Kaum vorstellbar im Wissen um die baulichen Probleme der 70er Jahre. Wasserein- brüche führten zu mehreren Rekonstruktionen, die letzte größere im Zeitraum 1983-1986. Wir verlassen den Bunker durch die kleine Öffnung. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, fast zwei Stunden bewegten wir uns über die Gänge, durch technische und allgemeine Diensträume. Die Brillengläser reagieren zuerst, Nebel scheint aufgekommen, doch die Sonne meint es unaufhaltsam gut. Es bedarf einiger Zeit, sie zu trocknen.  Wir atmen tief durch, verneigen uns vor dem Öffnungs-Team um Claus Funke. Allen gehört ein großes Dankeschön. Wir sehen was seit der Öffnung des Bunkers geleistet wurde. Das Team hat Historikern und an der Militärgeschichte der Volksmarine interessierten Personen  einen großen Dienst erwiesen, ein Glücksgriff. Mit der Öffnung wird die Wahr- heit um die Militärgeschichte der DDR um ein Kapitel reicher. Erwartungs- und spannungsvoll blicken Interessierte nach Tessin, fiebern dem Zeitpunkt für den Beginn geführter Be- sichtigungen entgegen. Keiner von ihnen wird enttäuscht sein, ehemals hier Diensttuende werden die Geschichte die- ses Bauwerkes und Objektes bereichern. mehr ... Bunker Tessin  
- Bunker Tessin -   nach der spektakulären Öffnung 05.07.2011        Rohrpostanlage Bunkereingang Bunkerzugang Joachim Kampe “Dornröschenschlaf” vorerst beendet                               Bunker Tessin der Volksmarine der DDR geöffnet Bauwerks- Dispatcher                       Pressetermin 15.07.2011 Zahlreiche Vertreter von TV, Hörfunk- und Printme- dien, genannt seien, NDR, tv-rostock und das ND, waren er-schienen, nahmen den Bunker in Augen- schein. Ehemals hier diensttuende Angehörige der Volksmarine der DDR gaben Interviews, berichteten über das “Ausknipsen” des Lichtes vor fast 20 Jahren.
Netzersatzanlage                       Muffenraum                      Notausgang                       Pressetermin 15.07.2011                       Pressetermin 15.07.2011                       - Bunker Tessin -   Pressetermin am 15.07.2011         Websiten unter der 2005 - 21 J.Kampe 2005 - 2011 J.Kampe 2005 - 2011 J.Kampe 2005 - 2017