Troposphären-Funkstation 302 bei  “Politische Memoriale MV e.V.”  Glanz und Schatten einer Philosophie in Eichenthal    Betrachtungen aus der Sicht eines Insiders zum DVD- Videofilm mit dem Titel „Objekt 302 – die Troposphärenfunkstation Eichenthal“   Ein gelungener, bemerkenswerter Videofilm aus 2009, von Profis erstellt, Laufzeit ca. 27 Minuten. Kamerafahrten durch den Bun- ker und über Details von Anlagen und Geräten verleihen dem Bunker eine glänzende Fassade, ma-chen ihn interessant, span- nend, ja beeindruckend. Musik und Sound schaffen eine Atmosphäre, ähnlich einem Kri-mi. Werbung pur in der Marktwirtschaft, eine Philosophie die Aufmerksamkeit auslöst, das Geschäft  bereichern und ankurbeln soll. Was aber verbirgt sich hinter diesem Werbefilm ?  Der unkundige Betrachter ist überfordert, nimmt alles für bare Münze entgegen. Wo liegen die Grenzen von Wahr- heit, Wirklichkeit oder ...... ?. Ich habe mir den Film mehrfach angeschaut, stelle hier meine Bewertung zur Disposition. Der Kommentar zum Film versucht die Bedeutung und eine herausragende Wichtigkeit dieser Anlage hervorzuheben. Ein ehema- liger Techniker erklärt ausführlich die allgemeine Technik des Bunkers, nichts Besonderes, Spezielles oder Herausragendes für die Troposphären- Funkstation Eichenthal. Die vorgestellte Technik ist lebenserhaltend für jeden Bunker in Ost und West. Der Dipatcherarbeitsplatz wird  als  das Non plus Ultra des  Bunkers dar-gestellt,  ist Mittelpunkt vom ganzen Bauwerk, von hier spielt sich alles ab, heißt es wörtlich. Das ist nicht unwahr für die Arbeit aller lebenserhaltenden Anlagen in einem Bunker, bleibt aber in Bezug auf den Filmtitel ohne Substanz. Führungspunkt und zentraler Kommandopunkt der Troposphärenfunkstation war der Dienstraum des Diensthabenden Nachrichtenbetrieb und nicht der des Bauwerksdispatchers. Hinweise darauf sowie zu Funktion und Zweckbestimmung der Troposphären- Funkstation als reines Nachrichtenobjekt, ihre Einordnung in das Nachrichtensystem der NVA, Ausrüstungsgrad  oder technische Möglichkeiten bleiben unkommentiert. Die Kamera fährt minutenlang schweigend über Nachrichtentechnik, zeigt Hohlleiter, den Arbeitsplatz des Nachrichtenoperateurs einer Troposphären- Funkrichtung, Front- ansichten von Sende-,  Empfangs-, Vermittlungs- und Verstärkertechnik, Bilder von Antennensystemen u.a. Erwähnt werden die Unterteilung der Liegenschaft in eine U-Zone, U wie Unter-kunft, obwohl hier keiner kaserniert war ....  und eine  P- Zone  in der sich ein Tiefbunker und ein Hochbunker be-fand. Das alles umgeben von einer Hochspannungssicherungsanlage in der 5000V fließen. Aus dem Hochbunker wären auf Fahrlafetten die Reserveantennenträger zu ihren Anschlagpunkten gerollt, so zu hören, doch diese gab es gar nicht.  Zu Zeiten der DDR gab es weder eine U- noch P- Zone.  Die Liegenschaft war in die Unterkunfts- und Sicherstellungs-  sowie eine technische Zone eingeteilt, die Spannung in der Hochspannungssicherungsanlage betrug unter Umständen ein Mehrfaches von 5000V. Nur für ca. 2 Minuten (im ganzen Film) fühlt sich der Betrachter an den Filmtitel erinnert, wird der elektromagnetische Impuls als Folge einer Kernwaffendetonation zum Grund für die Errichtung des Troposphären- Nachrichten-systems „BARS“ erklärt. Im Zu- sammenhang mit den hohen Temperaturen einer Kernwaffendetonation bleibt Sinn und Zweck,  die Aufgaben  des  installierten Rückkühlsystems des Bunkers unerklärt. Der tatsächliche Grund für die Installation des Systems, die Gefahr eines möglichen Krieges zwischen den Militärblöcken der NATO  und des Warschauer  Vertrages  infolge  der  Wirkungen  des NATO- Raketen- doppelbeschlusses bleibt unerwähnt. Dafür wird das System als „absolut abhörsicher und nicht ortbar“  (wörtlich im Kommentar) dargestellt. Welch eine Sen-sation !, die Troposphären- Funkverbindung ist nicht sicherer und genau so ortbar wie jede andere Verbindung auch. Die Abhörsicherheit ist relativ und wird von anderen Faktoren bestimmt. Gleichzeitig wird die Anlage Eichen- thal zum nachrichten- technischen Dienstleister für den „Admiralitätsbunker“  in Tessin-Drüsewitz erklärt, der für die Admiralität der Volksmarine der DDR, aber auch der Vereinten Rotbannerflotte (wörtlich der Kommentar ) einen Gefechtsstand darstellt.Ge- meint ist der Haupt-gefechtsstand (HGS) der Volkmarine in Tessin und nur der Volks-marine der DDR, nachrichten-technisch sichergestellt vom Nachrichtenregiment der Volksmarine. Einige wenige Nachrichtenkanäle aus dem Bunker Eichenthal wären zum HGS der Volksmarine und in andere Richtungen ge-schaltet worden.  An anderer Stelle im Film heißt es, das der 24.Std.- Dienst bis zum 03.Oktober durchgehalten, der folgende Normaldienst bis zum 07.Januar 1992,  dem Tag der Stromlosschaltung des  Bunkers durchgeführt wurde, man hat dann sämtliche Betriebsstoffe entfernt ........, wie ist das möglich, nach der Stromlosschaltung ?  Der ehemalige Leiter des Troposphärensystems für die DDR in der Nachrichtenführungsstelle des Chef Nachrichten  im  MfNV  berichtete das die Troposphären- Funkverbindungen  bereits im August 1990 außer Betrieb gingen.  Der Schlusskommentar, hier teilweise wörtlich wiedergegeben. Im Auftrage des MDR recherchiert der Betreiber im Mai /Juni 2004 für einen Film in Brandenburgs Bunkern. Dabei werden die enttäuschten Gesichter ganzer Familien mit ihren Kindern nach dem Besuch in einem Brandenburger Bunker zur Quelle für die Idee seiner dramatischen Inszenierung in Eichenthal. Die Familien mit ihren Kindern waren enttäuscht, ihre Erwartungshaltung erschlafft weil sie von einem Führungsoffizier mit  Pfeffer/ Salz- Sakko, Bügelfalten in den Hosen, einem karierten Hemd und Schlips durch einen mit Neonlicht erhellten Bunker geführt wurden. Dafür mussten sie auch noch zahlen. Unter die-sen Umständen ist es in einem Bunker nicht mehr gruselig, wird der spannenste Bunker zum simplen Kartoffelkeller degradiert. So geht das nicht, das ein spannendes Spezialkbauwerk degradiert wird, er muss seine Geschichte selbst erzählen, die Idee der Dramatisierung war geboren, die im Zusammenhang mit  der Recherche zum Film dem besuchten Bunker angeboten wurde, dort jedoch mit Hinweis auf eigene Finanzierung abgelehnt wurde. Den Sachverhalt mit ei- nem Film haben Brandenburger Bunkerbetreiber und Vereine in Bunkeranlagen in ganz anderer Erinnerung.    Abschließend sei mir eine kleine Zusammenfassung erlaubt.  Wer den Bunker in Eichenthal besucht hat kann auf den DVD-Vide- ofilm verzichten, wer nicht, sollte überlegen und bedenken das alle Bunker die gleichen allgemeinen technischen Voraussetzun- gen für den Betrieb, egal in welcher Eigenschaft, benötigen. Spezielle oder herausragende Anlagen in Eichenthal gibt es nicht.  Zu Rolle, Aufgaben und Funktion als Troposphären- Funkstation gibt es so gut wie keine Erklärungen. Mit dem Filmtitel mög- licherweise gewecktes Interesse wird nicht erfüllt. Kommentarinhalt und Filmtitel passen nicht zueinander. Ich kann das Video nicht empfehlen. Zu bedauern sind die Kollegen von der Regie, Beleuchter, Schnitt- und Tonexperten sowie nicht zuletzt das Kamerateam, die aus meiner Sicht ein ausgezeichnetes Produkt hergestellt haben. Hobbyfilmer werden es zu schätzen wissen. Leseprobe “Geheimobjekt Atombunker”     Websiten unter der 2005 - 201 J.Kampe 2005 - 2011 J.Kampe 2005 - 2011 J.Kampe 2005 - 2017 Troposphären-Funkstation 302 bei  NDR/ Nordmagazin